Die Biographie als Roman

Oder: Die romanhaft geschriebene Biographie

Es gbt unendlich viele stilistische Möglichkeiten und Varianten, die eigene Biographie zu schreiben. Eines ist sicher: Wir wollen niemandem einen staubtrockenen Text oder eine holprige, Spurensuche zumuten…

Wenn wir wollen, dass andere von unseren Erlebnissen mitgerissen werden, dass sie genussvoll abtauchen können, wie in einen Roman… Dann bietet es sich an, unsere Lebensgeschichte doch gleich auch „als Roman“ mit romanhaften Elementen und verschiedenen Verfremdungseffekten zu  schreiben. Uns ist dabei bewusst, dass wir uns damit an der Schwelle zur Verklärung und Fiktionalisierung bewegen. Und genau das wirkt belebend, es macht vielen Schreibenden ungeheuren Spaß! Wir entdecken uns von einer neuen Seite oder besser von mehreren…. und sehen auch unser Leben in einem neuen Licht. Und wir alleine entscheiden, wie stark wir die romanhaften Züge ausprägen wollen.

Neben dem gesteigerten Lesegenuß hat das Schreiben „als Roman“ noch weitere Funktionen: Es hilft beim Realisieren, beim Verarbeiten der und „Triumphieren“ über die Ereignisse.

„Auch das Leid und das Hässliche sind schön in der Kunst“,

so lautet sinngemäß ein zentraler Satz in der Entwicklung der europäischen Ästhetik (zum Weiterlesen G.E. Lessing: Das Laokoon-Paradigma).  Mit dieser Auffassung kommt die Kategorie des „Erhabenen“ ins Spiel. Was an sich für einen Menschen unfasslich ist und ihn vollkommen übersteigt, das erhält in der Kunst einen Ausdruck und verliert damit seinen Schrecken. Denn der Schreibende ist der Akteur, der erfahrenes Leid und ausgestandene Schwierigkeiten sozusagen re-inszeniert. Das heißt, er stellt sie auf die Bühne und weiß zu jeder Zeit, dass es zum Glück nur die Bühne ist. Die Erlebnisse werden greifbar, als ein Buch können wir sie in die Hand nehmen und wieder weglegen. Wenn ein Schreibender über ein Erlebnis nicht sprechen kann, dann gelingt es ihm jetzt leichter, weil die Verfremdung im romanhaften Schreiben ihm erlaubt, immer wieder auch zu lachen beziehungsweise das Dargestellte von einer ästhetischen Seite zu betachten: Wie kommt es beim Leser an und wie können wir es so verändern, dass es den Leser noch erreicht?

Ausgehend von dem Begriff „autofiction“ nach Serge Doubrovski erkläre ich in diesem Video an einem konkreten Buchbeispiel was romanhaftes Schreiben bedeutet

 

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